Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlich im Süßwasser vorkommen, aber in künstlichen Wassersystemen zur ernsthaften Gesundheitsgefahr werden können. Besonders in Warmwasserleitungen finden sie ideale Bedingungen vor. Eine effektive Legionellen-Prophylaxe ist daher entscheidend, um die sogenannte Legionärskrankheit, eine schwere Form der Lungenentzündung, zu verhindern.
Warum ist Legionellen-Prophylaxe so wichtig?
Legionellen vermehren sich explosionsartig in einem Temperaturbereich zwischen 25 °C und 45 °C. Die Infektion erfolgt meist nicht durch Trinken, sondern durch das Einatmen von zerstäubtem Wasser (Aerosole), wie es beispielsweise beim Duschen, in Whirlpools oder durch Klimaanlagen entsteht. Eine konsequente Legionellen-Prophylaxe zielt darauf ab, diese Vermehrung zu stoppen und die Bakterienkonzentration unter dem gefährlichen Grenzwert zu halten.
Die 3-Tage-Regel gegen Stagnation
Einer der größten Feinde der Trinkwasserhygiene ist stehendes Wasser. Wenn Wasser länger als 72 Stunden in den Leitungen steht, spricht man von Stagnation. Dies begünstigt die Biofilm-Bildung, in der sich Legionellen wohlfühlen.
- Vermeidung: Nutzen Sie alle Wasserentnahmestellen regelmäßig.
- Nach dem Urlaub: Lassen Sie das Wasser einige Minuten heiß und kalt laufen, bevor Sie es nutzen.
Technische Maßnahmen zur Vorbeugung
Die wichtigste Säule der Legionellen-Prophylaxe ist das Temperaturmanagement im Trinkwassersystem. Hierbei gilt der Grundsatz: Kaltes muss kalt bleiben, Heißes muss heiß bleiben.
- Warmwassertemperatur: Der Speicher sollte konstant auf mindestens 60 °C erwärmt werden. An keiner Stelle im Zirkulationssystem darf die Temperatur unter 55 °C fallen. Diese Temperaturen töten Legionellen ab oder verhindern ihr Wachstum effektiv.
- Kaltwassertemperatur: Kaltwasserleitungen sollten so isoliert sein, dass sie sich nicht durch Umgebungswärme oder benachbarte Warmwasserrohre auf über 25 °C erwärmen.
Thermische Desinfektion
Sollte bereits ein Befall vorliegen oder als turnusmäßige Maßnahme zur Legionellen-Prophylaxe geplant sein, ist die thermische Desinfektion eine bewährte Methode. Dabei wird das gesamte System, inklusive aller Entnahmestellen, für mindestens drei Minuten auf über 70 °C erhitzt. Dies tötet die Bakterien sicher ab. Achtung: Hierbei besteht Verbrühungsgefahr, weshalb dies nur von Fachleuten durchgeführt werden sollte.
Wartung und Pflege der Armaturen
Kalkablagerungen und Schmutz bieten Legionellen einen idealen Nährboden. Zur häuslichen Legionellen-Prophylaxe gehört daher auch:
- Regelmäßiges Entkalken von Duschköpfen und Perlatorsieben.
- Austausch alter Dichtungen und Schläuche, in denen sich Biofilme bilden können.
- Wartung von Filtern am Hauswasseranschluss.
Experten-Tipp: Verzichten Sie in Ferienimmobilien oder selten genutzten Bädern auf unnötig große Wasserspeicher. Durchlauferhitzer sind hier oft hygienischer, da sie kein stehendes warmes Wasser vorhalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kombination aus korrekter Temperaturführung, Vermeidung von Stagnation und regelmäßiger Wartung die beste Strategie ist. Wer diese Punkte beachtet, betreibt aktive Gesundheitsvorsorge.